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Ein einig Volk von Pendlern – wie lange noch?

Der vielleicht grösste Einschnitt von Corona erfolgte im Pendlerwesen. Die Schliessung von Geschäften und Gastronomie, die Einschränkungen des öffentlichen Lebens, die Homeoffice-Pflicht: Im letzten Jahr sind die Pendlerströme pandemiebedingt stark zurückgegangen.


Wie stark, ist noch nicht klar. Die Auswertung der relevanten Zahlen erfolgt in der Regel zeitversetzt, aber man braucht kein Statistiker zu sein, um die Auswirkungen zu bemerken. Dass Transportbetriebe wie die SBB oder BLS massive Einbussen verzeichnen und einen starken Abo-Rückgang melden, auf den Autobahnen weniger Staus herrschen – das alle spricht eine deutliche Sprache.


Damit wurde ein Trend gebrochen, der seit den 1990er-Jahren vorherrscht und zuverlässig nach oben zeigte – immer mehr Menschen hinterlegen immer weitere Strecken, um zur Arbeit zu kommen. Im Jahr 2019 pendelten 8 von 10 Erwerbstätigen, also rund 3,6 Mio Menschen. Durchschnittlich hinterlegten sie pro Arbeitsweg knapp 15 km und brauchten dafür eine halbe Stunde. Etwa die Hälfte nutzte das Auto, rund ein Drittel den ÖV, der Rest ging zu Fuss oder mit dem Velo. (Für Statistik-Nerds: Mehr Infos findest du auf der Seite des Bundesamts für Statistik.)


Das Pendlerland Schweiz ist damit jedoch kein Sonderfall, sondern vielmehr ein Extremfall: Von Forschern ist auch schon das Wort «Hypermobilität» gefallen, um den Zustand hierzulande zu beschreiben – und das ist nicht zwingend als Kompliment zu verstehen. Denn neben dem jobbedingten Pendeln fahren wir ja auch sonst gerne viel herum: Freunde treffen in Basel, shoppen gehen in Zürich, auf ein Bier nach Luzern: Die Kleinräumigkeit der Schweiz, ihre guten Verkehrsnetze und der sehr gute ÖV sind beste Voraussetzungen dafür.


Wie sieht das im Oberaargau aus?

In der Region leben rund 80'000 Menschen, davon sind etwas mehr als 50'000 im erwerbsfähigen Alter. Auf den sehr gut erschlossenen ÖV-Achsen zwischen Aarwangen und Huttwil sowie zwischen Herzogenbuchsee und Roggwil/Wynau allein leben rund 25’000 Menschen im Alter von 18 bis 65 Jahren. Diese fahren oft in eine andere Gemeinde um zu arbeiten – was wir täglich in den vielbefahrenen Strassen sehen.


In Langenthal gehen rund 8'000 Leute einer Arbeit nach. Die Hälfte davon in Langenthal selbst, die andere Hälfte ausserhalb. Dazu kommen rund 7'000 Menschen, die täglich in die Stadt kommen, um zu arbeiten. Diese Mobilität bestätigt die Bedeutung von Langenthal als Regionalzentrum. Dazu kommen viele um einzukaufen, auszugehen oder zu flanieren.

Klar, auch diese Zahlen sind nicht mehr aktuell, sie wurden vor ein paar Jahren erhoben. Sie sind aber dennoch aussagekräftig, um die genannte «Hypermobilität» zu untermauern. Besonders veranschaulichend ist folgende Rechnung: Die Wegpendler aus Langenthal umrunden jährlich 950 Mal die Erde und reisen über 38 Millionen Kilometer an ihren Arbeitsplatz und zurück. Verrückt!


Und jetzt?

Wir können uns darauf einstellen, dass das Pendeln in Zukunft zwar wieder etwas raufgehen wird – allerdings nicht auf das Vor-Corona-Niveau. SBB und BLS rechnen mit mehreren Jahren, bis es wieder soweit sein wird.


Wird es das aber? Das soziale Leben wird sich (hoffentlich!) wieder normalisieren, aber die neuen Arbeitsformen sind da, um zu bleiben. Corona hat bewiesen, dass viele Arbeiten dezentral erledigt werden können. Das Homeoffice wird in Zukunft vielleicht nicht zum Standard werden, denn wir brauchen den Austausch mit anderen Menschen. Aber entsprechende Befragungen machen klar, dass fast alle Arbeitnehmende zumindest einen Teil ihres Pensums zuhause verbringen wollen. Das werden auch die Arbeitgeber nicht ignorieren können.


Wie sich das in der Region verändern wird, werden wir genau beobachten – denn das betrifft uns natürlich ganz besonders 😉 Fortsetzung folgt also!

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